Anti-Terror Sperren

Nizza, Berlin, Stockholm. Die Bilder von Lastwagen, die in Menschenmengen rasen, haben wir alle im Kopf. Terroristen nutzen Fahrzeuge als Anschlagswaffen – eine (nicht ganz) neue Form von Gefahr.

Seither rüsten sich Städte und Gemeinden mit Steinen, Container, Barrieren, Betonquadern oder Pollern aus. Bei allem bei fast allen Veranstaltungen sind Sie anzutreffen. Oft handelt es sich aber um reinen Aktionismus - denn viele dieser Fahrzeug-Rückhaltesperren werden ungenügend dimensioniert und in den meisten Fällen, auch falsch installiert.

Betonklötze vermitteln in vielen Fällen ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

Viele Anti-Terror-Sperren haben (noch) kein Prüfzertifikat oder Nachweis dessen Wirksamkeit. Wenn Sperren falsch dimensioniert und installiert bzw. aufgestellt werden, könnten diese Schutzbarrieren selbst zu gefährlichen Geschossen werden und erhöhen so das Risiko zusätzlich.

Wenn ein normaler 40-Tonnen-Lastwagen, der mit 80 Kilometer pro Stunde auf ein Festgelände zurast, gegen einen Betonklotz mit nur einer Tonne Gewicht fährt, wird das Hindernis einfach aus dem Weg geschoben und der LKW fährt danach weiter. Die Betonsperre und Absplitterungen von LKW und Beton werden aber wie Geschosse oder Billardkugeln mehr als 10 Meter zur Seite geschleudert.



Aber wie kann man Innenstädte oder Anlässe besser schützen?

Zunächst einmal sollten die Verantwortlichen der Städte und Gemeinden sich im Klaren sein, welche Gefahr auch oder gerade von unzureichenden oder falsch gestellten Sperren sein kann. Denn die beste Sicherung nützt nichts, wenn Sie mühelos umfahren oder beiseite geschoben werden kann. Hier sollten die Verantwortlichen eine qualifizierte Einweisung oder Schulung von Sicherheitsexperten oder den Herstellerfirmen erhalten bzw. nachweisen können. Das dies aber noch nicht in allen Köpfen angekommen ist, zeigen u.a. diese Beispiele:











Der typische Reflex von Passanten bei Anschlägen mit Fahrzeugen ist fast immer gleich. Erst hören Sie, dann visualisieren Sie, und erst dann reagieren Sie verzögert auf die Gefahr. Diese Reaktionszeit respektive lebensrettenden Sekunden gilt es zu verschaffen.

Eine sehr gute Variante ist der Einsatz von spezielle, mit Wasser gefüllte IBC-Sperren (Intermediate Bulk Container bzw. Wassercontainer). Diese wurden bereits erfolgreich getestet und haben den Vorteil, dass auch schwere Fahrzeuge aufgehalten werden können. Weiter lösen sich im Kollisionsfall keine gefährlichen Teile von der Sperre – es tritt lediglich Wasser aus. Auch können die IBC´s schnell auf und abgebaut werden um ggf. eine Rettungsgasse freizugeben. Aber auch diese helfen nur dann, wenn sie richtig aufgestellt wurden. (Siehe Bild 1 & 3 oben)




Die oben aufgeführten Maßnahmen können und sollten aber nur eine kurzfristige Lösung sein.

Denn es wäre töricht um nicht zu sagen dumm zu glauben, es würde sich nur um ein temporäres Phänomen handeln.

Langfristig sind der Einsatz von dezenten Sperren mit Anpralllast sinnvoll - wie versenkbare Sicherheits-Poller oder Barrieren etc. Etwas dezenter wäre eine bauliche Umgestaltung von Festplätzen und Flaniermeilen. So könnten Sicherheitselemente in das allgemeine Erscheinungsbild der Stadt integriert werden. Hohe Bordsteine oder dekorative Betonmauern wären gute Maßnahmen, denn diese könnten das schnelle befahren von Fußwegen verhindern.

Alle diese schützenden Elemente müssten allerding gut im Boden mit Fundamenten verankert werden.

Bei den provisorischen Sperren von Zufahrten wie im Falle von Veranstaltungen, sollten richtig dimensionierte eingesetzt werden. Bei Sperren mit Betonblöcken oder Containern sind solche mit einem Gewicht von mind. 2 Tonnen einzusetzen. Auch sollten die Sperren fest miteinander verbunden sein um ein unkontrolliertes wegschieben bei einem Aufprall zu verhindern.

Es sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass durch die Schutzeinrichtungen - ganz gleich welcher Art- keine Personen verletzt werden können. Sei es durch die Sperre selbst (Stolpern, sich schneiden, etc.) oder im Falle eines Aufpralls, durch wegfliegende Teile.



Quellen: MDR, Privates Fotoarchiv, Youtube